Mittwoch, 11. März 2009

Bullerbü-Syndrom

Hej kära vänner,
Gestern habe ich schon die ersten Eindrücke eingestellt. Mein neues Shampoo und mein Zimmer. Mein Zimmer ist wirklich nicht groß. Bis auf ein Bett passt nicht viel mehr rein. Aber ich mag es. Es ist zu schön. Es hat eine Fensterecke, so habe ich viel Licht. Die anderen Räume sind dafür sehr großzügig. Eine große Küche mit einem großen Esstisch und ein Wohnzimmer. Außerdem einen Balkon - so cool - in der 7. Etage (der Aufzug funktioniert). Die Wohnung ist sehr speziell eingerichtet. Alle Möbel scheinen in einem Antiquariat gekauft worden zu sein. Nichts passt zusammen. Ihr müsst wissen, dass die Eigentümer bereits pensioniert sind. Den Winter verbringen sie auf Hawai. Nur im Sommer wohnen sie in Schweden. Das bedeutet leider für mich, dass ich Ende Juni ausziehen muss und mir für zwei Monate etwas anderes suche.
Ich wohne in dem Stadtteil Annedal. Ehrlich gesagt fande ich Göteborg bei meinem ersten Besuch im Januar überhaupt nicht schön (obwohl ich das immer gesagt habe). Die Nordstaden ist so verbaut. Naja, aber im Januar habe ich Annedal und Haga noch nicht gekannt. (Außerdem ist das Wetter so schön.) Hier gibt es hauptsächlich rote Backsteinbauten mit roten Dächern. Wie cool ist denn das? Und hier gibt es so schöne Kirchen. Mit vielen kleinen Türmen und überhaupt nicht langweilig. Gleich nebenan ist die Skansen Kronan. Eine Festung die zum Schutz gegen die Dänen errichtet wurde. Sie steht auf einem Hügel mitten in der Stadt, auf den ich gestern gestiegen bin. Es gibt eine fantastische Aussicht über Göteborg. Es war ungefähr 18:00 als ich oben war. Auf der einen Seite ging der Mond auf und auf der anderen Seite die Sonne unter - fantastisch.
Die Lebensmittel hier in Schweden sind sehr teuer. Gestern habe ich für Tomaten, Käse, Milch, Joghurt, Brot und Shampoo 150 schwedische Kronen bezahlt. Das sind ungefähr 14 Euro. Heute habe ich mich zu Fuß auf den Weg zum nächsten Lidl gemacht. Dort sind die Preise okay. Im großen und ganzen gibt es die selben Produkte wie in Deutschland. Aber ich habe eine halbe Stunde gesucht um alles zu finden. Das ist total schwer, weil überhaupt nichts sortiert ist. Die Gummibärchen neben der Seife und das Wasser neben dem Katzenfutter.
Eine Tatsache kommt mir hier in Schweden zugute. Weil ich mein Stipendium in Euro ausgezahlt bekomme, leide ich nicht unter der schwachen schwedischen Krone. Nein, ich habe dadurch nur Vorteile. So bezahle ich für die Miete ca. 50 Euro weniger, als ich vor einem Jahr gezahlt hätte. 2003 hat Schweden die Einführung des Euros abgelehnt. Da Schweden als einziges Land die Krone nutzt, ist sie nicht so stabil wie der Euro und hängt auch stark vom Dollar ab. Doofe Schweden, hihihihi
Ab morgen habe ich höchstwahrscheinlich ein Fahrrad. Meine Mitbewohnerin hat ein altes. Ich habe es mir heute schon mal angeschaut. Ich denke ich kann das reparieren. Dann brauche ich nur 5 min zur Arbeit. Sonst sind es 15 Minuten Fußweg. Das ist auch okay. Meine neue Chefin hat mir kurzfristig gesagt, dass sie diese Woche nicht da sein wird und dass ich besser am Montag anfangen soll. Erst war ich nicht begeistert aber jetzt habe ich viel Zeit mich einzuleben und mich umzuschauen.
Heute bin ich auch bei der Folksuniversitätet gewesen um mich für einen Schwedischkurs anzumelden. Leider gibt es nur alle 6 Wochen Kurse und vor zwei Wochen sind sie gestartet. So muss ich noch etwas warten. Nicht so schlimm, weil mein Schwedisch beim arbeiten sicherlich viel viel besser wird und ich dann in einem höheren Level einsteigen kann. Der Mitarbeiter dort war so nett. Er hat sich viel Zeit genommen. Wir haben abwechselnd englisch, deutsch und schwedisch gesprochen. Um mir die Anmeldung im Internet zu zeigen hat er mich hinter den Tresen geholt um mir alles zu zeigen. Außerdem habe ich mich nach einem Englisch-Zertifikat erkundigt, das ich eventuell für mein Studium benötige.
Ich habe mir vorgenommen euch jedesmal etwas schwedisches näher zu bringen. Im Moment lese ich ein Buch. Es heißt "Wer die Kälte liebt" und wurde geschrieben von Tilmann Bütz der als Redakteur viele Jahre in Schweden gewohnt hat. Es ist mit viel Witz gespickt aber trifft so oft auf den Punkt was Schweden ausmacht. Er beschreibt das „Bullerbü-Syndrom“ , das die Liebe der Deutschen zum schwedischen Landleben bezeichnet. Berthold Franke vom Stockholmer Goethe-Institut hat diesen Begriff erfunden. Ich habe dazu einen sehr interessanten Artikel gelesen. Wenn jemand Interesse hat dann schicke ich ihn gerne zu.
Besonders witzig ist auch die Episode in der Bünz beschreibt, wie im Sommer alle Schweden in den Urlaub fahren und überall nur Aushilfen und Praktikanten eingesetzt werden (dann weiß ich auch schon mal, was auf mich zukommt). Bünz erzählt von einem Polizeirevier in der Provinz mit Öffnungszeiten. Außerhalb der Öffnungszeiten ist die Polizei der nächst größten Stadt zuständig. Die braucht eine Dreiviertelstunde. Hier habe ich immer einen meiner Lieblingsfilme vor Augen. KOPPS. Ein schwedisches Polizeirevier versucht die Schließung aus Grund von mangelnder Kriminalität zu verhindern indem sie selber welche produziert - zu lustig.
Hej så länge

P.S. Wer noch mehr Bilder sehen möchte: http://www.flickr.com/photos/rentier1st