Montag, 16. März 2009

brukar och fika

Hej kära vänner,
heute war mein großer Auftritt. Mein erster Tag uff Arbeit. Gestern war ich wirklich sehr aufgeregt. Aber darauf gefreut habe ich mich auch - und das zurecht. Heute morgen um 7:30 began mein erster schwedischer Arbeitstag.Um nicht zu spät zu kommen bin ich eine halbe Stunde vorher losgefahren. Aber ich habe wirklich nur 5 Minuten gebraucht. Zu geil.
Meine neue Arbeitskleidung besteht aus einem beige Hemd, nicht cool und einem Jacket samt Hose - sehr cool. So etwas hatte ich während meiner ganzen Ausbildung nicht. Im Albrechtshof gab es nur eine Weste. Die Hose ist zu weit, deshalb wird sie nochmal geändert. Aber das Sakko passt. Auf allen Sachen steht Scandic. Jetzt habe ich mich richtig verkauft.
Meine Chefin hat sich heute ganz viel Zeit für mich genommen mir alles zu erklären. Weil mein schwedisch noch ausbaufähig ist, dauert es etwas länger. Das mache ich aber wieder gut mit meinen Fachkenntnissen. Mir war klar das sie dieselbe Software benutzen wie im Albrechtshof. Zu meinem Erstaunen ist es sogar dieselbe Version. Das wird mir also nicht schwer fallen. Besonders weil die Benutzerführung auf englisch ist. Das ist ein großer Vorteil, für mich und auch für das Hotel. Fidelio, so heißt das Program ist nicht sehr einfach, besonders weil es komplett mit Tastatur, ohne Maus bedient wird.
Schwieriger wird es mit den Besonderheiten in einer großen Hotelkette zu arbeiten. Insgesamt gibt es 151 Hotels. 2010 wird Scandic auch ein 572-Zimmer Hotel in Berlin am Potsdamer Platz eröffnen. Für alle die es noch nicht wissen. Ich werde der Direktor. (-;
Scandic hat ein Kundenkarten und Rabattsystem, ähnlich wie bei Flugmeilen. Je mehr Übernachtungen man in Scandic Hotels hat, desto mehr "poäng" bekommt man. Danach richtet sich der Status. Wenn man den Top floor Status erreicht hat, bekommt man Gutscheine für Obst und Wasser (ja, die Skandinavier sind sehr gesundheitsbewusst), Zeitungen und pro Tag einen Verzehrgutschein über 150 SEK, ca. 15 Euro. Praktisch jeder hat hier eine Scandic-Kundenkarte.
Gleich von Anfang an habe ich es heute nur auf schwedisch versucht. Wenn ich nichts verstehe lächele ich ganz charmant, darauf gibt es dann ein verständnisvolles Lächeln (von den Schwedinnen) zurück. Dann versuchen wir es nochmal. Irgendwann verstehe ich es dann.
Außerdem geben sie mir das Gefühl, sie würden mein schwedisch auch verstehen. (-; Das macht mir Mut und ich mache weiter obwohl das meiste wohl sehr falsch ist.
Was ich auf jeden Fall noch erwähnen will, bevor ich es vergesse weil es für mich normal werden wird. Der herzliche Umgang miteinander. Alle sprechen miteinander, umarmen sich als wäre es eine große Familie oder besser als wären alle Freunde. Ich spüre das ist nicht nur aufgesetzt. Alle arbeiten miteinander. Natürlich trägt die Tatsache, dass man sich dutzt ganz entscheidend dazu bei. Heute morgen hat mich ein junger Mann ganz herzlich im Scandic willkommen geheißen. Er hat sich mit Vornamen vorgestellt - ich also auch. Im nächsten Satz hat er erklärt, er sei der Direktor. Ups, aber so läuft das. Außerdem sind alle sehr interessiert an mir und an dem was ich mache. Besonders imponiert hat mir ihre Arbeitsweise. Obwohl es manchmal etwas hektisch wurde und viele Sachen auf einmal erledigt werden mussten war niemand hektisch. Auch die Gäste schienen es überhaupt nicht eilig zu haben. Vielmehr hatten sie alle Zeit der Welt und blieben auf einen Plausch an der Rezeption. Ich hoffe deswegen bin ich hier und ich kann diese Ruhe auf mich übertragen. Das wäre schön.
Wer von euch mal in Göteborg ist, dem empfehle ich das Scandic Rubinen. Wirklich toll gelegen, mitten in der Stadt. Jedes Zimmer hat einen eigenen Namen. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist Ruby (deswegen Rubinen), die Schutzpatronin. Sie hat eine Passion, die Farbe rot. Also sind alle Zimmer nach roten Dingen benannt. Angefangen bei Speisen über Autos oder das berühmte Falunröd (rote Häuser in Schweden). So hat man das Gefühl in einem außergewöhnlichen (High5) Zimmer zu wohnen. Wer etwas Geld übirg hat, wohnt in der Suite in der 7. Etage. Diese hat eine Dachterasse über die Avenyn und ganz Göteborg - wenn das Wetter stimmt.
Über eine Merkwürdigkeit will ich noch ein Wort verlieren, dann bin ich auch bald am Schluss. In Schweden zählt man Etagen (våning) nicht so wie wir das gewohnt sind. Das Erdgeschoss ist die 1. Etage, deshalb ist das erste Stockwerk die 2. Etage. Warum - keine Ahnung!
Ein guter Effekt von dem das ich all das Banale hier aufschreibe ist, dass ich all das was mir jetzt hier so anders erscheint, schnell zur Routine wird und ich mich anschließend nicht mehr daran erinnern kann. Jetzt begegnen mir tagtäglich Dinge mir besonders erscheinen und an die ich mich am nächsten Tag schon gewöhnt habe. Woran ich mich wohl nicht gewöhnen kann ist dass hier das einzige Bier außer Weißbier nur Spaten ist. Was ist denn hier los??? Und teuer ist es sowieso!
Zuletzt möhte ich euch nich zwei schwedische Wörter vorstellen, die es im deutschen nicht direkt gibt, die es aber geben sollte weil sie zu toll sind.
"Brukar" bedeutet: pflegen etwas zu tun, gewöhnlich tun.
"Fika" bedeutet miteinander Kaffee trinken um zu quatschen, klönen, schnacken, sich zu unterhalten
Ich werde einen Brief an jemanden schicken, der zu verantworten hat, dass es diese Wörter im deutschen nicht gibt. Weiß jemand wer das ist? Vielleicht der Duden?

Hej så länge