Sonntag, 5. April 2009

Schweden - schon mal was von Datenschutz gehört?

Hej kära vänner,
wieder ist ein Wochenende viel zu schnell vergangen. Weil ich mich aber ein bisschen auf die Arbeit freue ist das überhaupt nicht schlimm. Letzte Woche war ein gute Woche. Besonders am Donnerstag habe ich mich gefühlt als sei ich angekommen. Wir hatten über 100 Abreisen und ich war mit meiner Kollegin allein. Also hatte ich keine andere Wahl - ich war der zweite Mann. Und es lief richtig gut. Für mich war es ein so gutes Gefühl "nützlich" zu sein. Ich hasse es nicht nicht hilfreich sein zu können. Auch wenn ich noch nicht alles verstehe und ich auch noch nicht alles ausdrücken kann, merke ich deutlich das ich voran komme. Die Sprache ist eine Barriere, die immer kleiner wird.
Auch das Wetter hat mich wieder willkommen geheißen. Es ist faszinierend zu beobachten wie extrem "der Schwede" auf die Sonne reagiert. Wenn ich morgens zur Arbeit fahre und die Sonne scheint sind die Straßen voll mit Menschen. Wenn es aber schlechtes Wetter gibt ist niemand zu sehen. Als ob die Schweden nur bei gutem Wetter arbeiten würden. Am Nachmittag ist die Avenyn so voll, dass man vom Fahrrad absteigen muss. Besonders schön ist dann in Haga. Meine Kollegin hat mir dort ein wirklich tolles Cafe empfohlen. Es gehört wohl einem Deutschen, den ich aber noch nicht getroffen habe. Vor diesem Cafe ist es auch passiert, dass mich eine Schwedin für einen Frederik gehalten hat. hihihihi, das macht bestimmt das Shampoo. Alle halten mich für einen Schweden.
Was ein richtiger Schwede ist, hat man eine Personennummer. Ein Schwede bekommt sie bei der Geburt zugeteilt. Sie besteht aus 10 Ziffern. Die ersten sechs Ziffern geben das Geburtsdatum an. Dann folgt eine Ziffer, die das Geschlecht angibt. Eine gerade Zahl bedeutet weiblich und ungerade männlich. Für jeden Geburtstag lassen sich 499 Kombinationen für Frauen und 500 für Männer generieren, was bei etwa 500 Neugeburten in Schweden pro Tag ausreicht. Meine Personennummer würde in etwas so ausssehen: 851201-4321. Leider gestaltet sich das schwierig, weil man Status in Schweden unklar ist. Ich bin weder angestellt noch Student. Ich bin so froh, dass meine Kolleginnen mir dabei behilflich sind.
Gestern hat mir jemand eine aberwitzige Story erzählt. Auf der "Autobahn" hier in Schweden ist er hinter einem Auto hergefahren aus dem der Fahrer etwas warf, dass ihn fast traff. Darauf hin ist der dem Auto dicht aufgefahren. 10 min später ereichte ihn eine SMS mit ungefähr diesem Text: "Sorry für die Wurfattacke, bitte fahre nicht so dicht auf". Der Fahrer hatte über das Kennzeichen den Halter und dessen Handynummer ausfindig gemacht. Das ist in Schweden über das Internet ganz einfach. Wer will sucht sich die Handynummer des Ministerpräsidenten raus oder den Familienstand des Kollegen. Das ist mir wirklich unheimlich. Wenn ich meine Personennummer habe, die man hier für fast alles braucht, dann bin ich auch ermittelbar. Die Schweden scheint das nicht zu stören. Sie haben ein großes Vertrauen zum Staat bzw. zu den Behörden.
Andere Sachen funktionieren deshalb unkompliziert. Letzte Woche habe ich mir einen Bibliotheksausweis besorgt, der für jeden kostenlos ist. Man kann damit Bücher, CDs und DVDs ausleihen und auch Computer zum Internetzugang nutzen. Es ist wirklich eine sehr gute Bibliothek. (-; Ich bin gleich in die Abteilung für deutschsprachige Literatur gestolpert und habe mir 2 Bücher von Wladimir Kaminer ausgeliehen. In Schweden gibt es für alles Automaten, so muss man die Bücher nur auf eine Metallplatte legen um sie auszuleihen. Sogar in der Kirche steht ein Automat mit dem man Geld mit seiner Kreditkarte spenden kann.
Mein Wochenende war sehr ereignisreich. Am Freitag hatte mich Elke zu "Phantomen på Operan" eingeladen. Ein Musical - Theaterstück, dass ihr Physik-Fachbereich aufgeführt hat. Erstaunlich das Physiker so kreativ sein können. Es wurde viel gesungen und gelacht. Es gab Zwischenrufe wie "sprich dänisch", die die Schauspieler dann auszuführen hatten. Das Theater wurde unterbrochen durch ein Drei-Gang-Menü, das die Mat(Essen)-Gruppe zubereitete. Es gab viele Gruppen in denen sich die Studenten ganz freiwillig engagierten. Das hat mir sehr imponiert.
Am Samstag habe ich mit drei deutschen Mädels eine Fahrradtour bei herrlichen Wetter an einen See gemacht. Am Nachmittag habe ich zufällig einer riesige Kissenschlacht auf dem Järntorget beigewohnt. Es war wohl World-Pillow-Day.
Am Abend war ich das erste Mal in Göteborg tanzen. Auch wenn ich die Musik nicht mochte und mich der Spaß ein kleines Vermögen gekostet hat, hatte ich doch meinen Spaß. Heute war ich zuerst im Gottesdienst (inzwischen verstehe ich so 60%) und dann nachmittags noch fika.
Nächste Woche ist Ostern. Ich habe aber nur am Wochenende frei. Juliane hat einen kleinen Ausflug vorgeschlagen. Auto ausleihen und irgendwo hinfahren. Ich möchte unglaublich gerne mal die Felsritzungen von Tanum sehen. Sie sind rund 3000 Jahre alt und sind inzwischen Weltkulturerbe. Ich werde das mal vorschlagen.
Nun ein bisschen schwedische Sprachkunde zum schmunzeln.
Schwedisch ist eine Sprache die sich sehr vieler Lehnworte bediehnt. Jedoch haben sie eine eigene Art fremdeWorte zu übernehmen. Die Aussprache wird beibehalten aber die Schreibweise wird angepasst. Hier ein paar Beispiele aus dem Englischen und Französischen: Date, mail, tape, tight, timing und OK werden zu dejt, mejl, tejp, tajt, tajming und okej. Freestyle zu fristajl, Pokerface zu pokerfejs oder Facebook zu fejsbok.
Aber auch französische Worte finden sich zu Hauf: Foajé, bassäng, restaurang, balkong, refräng, terräng, följetong, und gratäng sind Bassain, Restaurant, Balkon, Refrain, Terrain, Feuillton und Gratin. Und wer mir als erstes sagen kann was "schangtil" ist bekommt einen Preis. (Der Rechtsweg sowie die Teilnahme von Axelle ist ausgeschlossen).
Die Schweden sind schon ein sehr lustiges Volk. Jedenfalls braucht man sich keinen Kopf machen wie man ein Wort auszusprechen hat. Aber besonders schön ist es nicht!
Har det så bra