Dienstag, 7. Juli 2009

und der Ball war weiterhin meistens rund

Es wird den Erlebnissen in den letzten Wochen nicht gerecht, wenn ich hier nur über die Fußball-EM schreibe. Dieser Post wird aber sich aber wieder nur um Fußball drehen. Morgen soll es einen weiteren geben!
Möglich das dies alles so banal ist, aber für mich ist es wichtig und wenn ihr es nicht lesen wollt, so habe ich es für mich selber geschrieben.

Nach einer wirklich schwachen Vorstellung der deutschen Mannschaft in Göteborg im ersten Spiel und einem ereignislosen 0:0, wurden die Spiele von Mal zu Mal besser. Göteborg erfuhr wirklich tollen Fußball. Matchday 2 für Göteborg: England gegen Spanien 2:0, danach Spanien gegen Finnland 2:0 und das letzte Spiel das Viertelfinale in Göteborg. Die Ergebnisse der Vorrunde bescherten uns einen richtigen Kracher. Schweden kam nach Göteborg um gegen England zu spielen. Das Schweden verlor war traurig tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Dazu später.
Viel wichtiger als die Spiele war für mich die Arbeit mit Linn, Christian und Dani. Diese Menschen wurden innerhalb von nur acht Tagen zu meinen Freunden, von denen mir der Abschied wirklich schwer viel. Christian, Linn, Ich und Dani
Linn werde ich in Göteborg wiedertreffen, aber Christian ist nach Dänemark zurückgekehrt und Dani in die Schweiz, deshalb werden wir uns sobald nicht wiedertreffen.
Ich hatte in keinem Augenblick den Eindruck Dani und Christian nehmen uns nicht ernst weil wir Volunteers sind. Je länger wir miteinander arbeiteten, desto mehr verantwortungsvolle Aufgaben wurden uns übertragen. Teamwork
Im Laufe der Zeit entwickelten sich die beiden für uns zu Mentoren abseits des Fußballs. Und besonders mich haben sie beeinflusst. Sie haben uns immer gezeigt, dass sie Spaß an ihrem Beruf haben und sich bewusst sind, das sie den tollsten Beruf der Welt haben. Ich muss Ihnen meinen größten Respekt zollen, weil sie immer bescheiden und und korrekt waren, obwohl sie die Chefs waren.
Dani hat es nie gesagt, aber es war an seiner Abgeklärtheit zu spüren, dass für ihn das Turnier Routine war. Wer schon mal als Venue Manager für ein Championsleaguefinale zuständig war, denn kann eine U21- Europameisterschaft mit 8 Teams und einem Stadion mit einer Sitzkapazität von 17.000 nicht aus der Ruhe bringen. Christian wird Turnier Direktor bei der U21-Europameisterschaft 2011 in Dänemark sein, deshalb war er ab dem dritten Match der offizielle Venue Manager. Während eines Turnier gibt Leute die sich um die Medien, die Sicherheit, die Zuschauer, die VIPs und um die Logistik kümmern. Der Venue Manager kümmert sich um den Fußball. Er trägt dafür Sorge, das alles um das "Wesentliche" organisiert ist. Ich und Linn waren ein Teil davon. Christian hatte große Freude daran und war mindestens genauso aufgeregt wie Linn und ich, an dieser Stelle zu arbeiten. Christian wie er leibt und lebt
Seine größte Freude ist es, auf alle zuzugeben und er schafft es jedem ein Lächeln von den Lippen abzuwringen. So hat er es geschafft z.B. ohne eine Beschwerde der englischen Mannschaft zu erhalten, die laut Dani "a huge pain in their fucking asses" hat. In Halmstadt beschwerten sie sich noch das es keinen Cappuccino gab und das Frauen inbeim Vorbeilaufen in die Kabine schauten. Linn hat es in die spanische Kabine geschafft, durfte nackte Hintern bewundern und wurde nicht rausgeschmissen. Bei der spanischen Mannschaft war sie mit ihren blonden Haaren jedesmal das Highlight. Linn ist in ihrer Art auch ruhig wie ich, sodass wir uns gemeinsam gegen die "kommunikationslauten" Uefas behaupteten. Besonders am Mittagstisch ging es hoch her. Pünktlich um 12:00 zum Lunch fingen ich und Linn mit unserer Arbeit an. Manchmal musste ich früher raus wenn Christian mich mit Extraaufgaben durch die Scandics von Göteborg schickte. Aber meistens haben wir erst einmal zusammen Mittag gegessen. Während es an den anderen Tischen still war, weil die Arbeit bei einer EM kraftaufreibend ist, war unser Tisch immer laut, weil wir ja eben erst den Tag begonnen. Linn hatte darunter zu leiden, dass ich gleich am Anfang meine Beobachtung kundtat das "Schweden" ihren Teller nicht leer essen, was bei Christian und Dani auf große Belustigung traf. Ab sofort quälte sie sich immer aufzuessen. Für Dani und Christian war es ein großer Spaß die Teller der Nachbartische in Augenschein zu nehmen. Dani hatte immer besonders spannende Geschichten zu erzählen. Von finischen Sicherheitsleuten die ratlos zusehen mussten, wie sich politische Demonstranten ans Tor mit Handschellen fesselten. Am besten gefiehl mir die Anekdote vom Championsleaguefinale in Istambul als er das Spiel zu früh beginnen ließ. Der Venue Manager gibt anhand von Armzeichen dem Schiedsrichter an, wann er das Spiel anpfeifen darf. Die gehobene Hand heißt warten und die gesenkte Hand, dass das Spiel beginnt. Weil aber alle Fans im Stadion in Istambul kur vor Spielbeginn plötzlich anfingen zu springen, drehte Dani sich um und senkte unbewusst den Arm. So wurde das Spiel zu früh angepfiffen und die Fernsehzuschauer verpassten die ersten Sekunden.
Im Viertelfinale bekam Dani einen Anruf von der Uefa er solle dafür sorgen, dass die Halbzeit nur 14 Minuten dauert um den rechtzeitigen Beginn des nächsten Spiels zu gewährleisten. Solche Sachen passieren hinter den Kulissen. Für Christian waren solche Dinge genauso ungewohntwie für mich und Linn. Zu seinem ersten Einsatz als Venue Manager bekam er vom ganzen Team ein wirklich schönes Geschenk. Alle versammelten sich draußen zu einer Fika und im Stadion wurden dänische Fußballsongs eingespielt. Eine schöne Geste und Christian war gerührt. Um ihm das Leben nicht zu einfach zu machen, hatte sich Dani ein paar Fallen für seinen ersten Einsatz einfallen lassen, die Linn und ich ausführten. Wir haben die Schilder, der Schiedsrichterkabine und der Dopingkabine vertauscht, die Dopingwesten in die Schiedsrichterkabine und die Auswechseltafeln in die Dopingkabine gelegt. Und weil das noch nicht genug wäre, haben wir einen nicht aufgepumpten Ball unter die Spielbälle gelegt. - Christian hat alles aufgedeckt.Das war auch ein Teil der Aufgaben die wir zu verrichten hatten, die schon nach dem zweiten Spieltag zur Routine wurden. Christian und Dani haben uns überall mit hingenommen, zu allen Meetings oder Besichtigungen. So haben sie uns einen tollen Einblick in das Geschehen gegeben. Während des Spiels hatten wir die Aufgabe uns um die Balljungen zu kümmern. Wie schon erwähnt war das nicht ganz einfach. Während bei dem ersten Spiel noch Dani die Einfürung gab, war es ab dem zweiten Spiel Linn, die weil sie besser schwedisch spricht die Balljungen und Mädchen einwies. "Still stehen und nicht mit dem Ball spielen" gehörten zu den wichtigsten Ansagen, oder "nicht während des Spiels auf die Toilette rennen." Trotzdem lief nicht immer alles glatt. Mal fehlten Balljungen, mal Bälle. Oder sie waren überrascht das sie nach 90 Minuten stehen bleiben mussten, weil sie Verlängerung und Elfmeterschießen nicht kannten.
Weil die Jungs und Mädchen wirklich jung waren hatte ich mich entschieden während der Spiele in eine Ecke , 3 Meter entfernt von der Eckfahne, zu stehen, um ein Auge auf die Jungs und Mädchen zu haben. Hier war es auch, als nur knapp ein kleiner Fußball verfelhte, der von den Rängen der finnischen Fans geworfen wurde. (-;
Im letzten Spiel kam es zu dem was ich mir insgeheim gehofft hatte - Elfmeterschießen. Einmal direkt dabei sein, wenn es nach der Verlägerung immer noch keinen Sieger gibt. Aber bis es zum Elfmeterschießen kam war es noch ein langer Weg.Ist dieser Elfmeterpunkt spielbar?
... wir entfernen ihn besser... und suchen uns ein anderers Stück Rasen aus
Noch am Vormittag wurde der Elfmeterpunkt auf dem Spielfeld erneuert. Außerdem lag Schweden zur Halbzeit 3:0 zurück.
Marcus Berg in der Mixed Zone
Sie kämpften sich ran und boten den vielen vielen schwedischen Fußballfans ein tolles Spiel. Das sie letztendlich verloren, war wirklich nicht schlimm. Die schwedischen Fußballfans, sonst nicht an starken Fußball der eigenen Manschaft und schon gar nicht an Erfolg gewöhnt, feierten auch noch nach dem Spiel. Ein unglaubliches Erlebnis, besonders weil ich gestehen muss, dass mein Herz bei der U21-EM blau-gelb schlug.
Das Elfmeterschießen bot für mich und Linn noch eine weitere Herausforderung. Was machen wir mit den Balljungs? Wo platzieren wir sie? Wir hatten uns vorher nicht richtig darüber besprochen. Letztendlich haben wir sie in einer Ecke versammelt und weil die Elfmeter fasst nur mit einem Ball geschossen wurden, war der Einsatz der Balljungs nicht nötig.
Nach jedem Spiel gab es immer den spannenden Moment wenn die Dani die Bälle zählte.am Anfang 80 am Ende über 90
Haben wir alle Bälle zurück? Mal fliegt einer auf die Tribüne und kommt nicht zurück. Mal nimmt eine Mannschaft einen Spielball mit. Wir haben es immer geschafft zu viele Bälle mitzubringen. Dani meinte, das ihm das er das erste Mal mehr Bälle in Schweiz zurückbringt als er mitgenommen hatte. Darauf waren wir natürlich stolz. Noch In den ersten beiden Spielen hatte ich mit Absicht einen Ball der deutschen und der spanischen Manschaft genommen, weil den Balljungs Bälle fehlten. Bei den folgenden Spielen brauchte ich gar nichts mehr dazu tun. Bei Spanien - Finnland hatten wir am Schluss sogar zwei finnische und einen spanischen Ball. Die Spielbälle die Linn und ich zuletzt einen geschenkt bekamen, haben wir uns also selbst erarbeitet.
Auch sonst hat es Dani immer gut mit uns gemeint und uns wärmende Jacken und Tickets für die Spiele organisiert. So konnte ich Freunde einladen. Sogar meine Chefin, Susanne habe ich einladen, auch wenn sie nicht konnte, so habe ich doch was für meine Karriere getan. (-;
Zum Dankeschön bekamen alle Voluteers Tickets für das Finale in Malmö geschenkt - samt An- und Abreise. Das war eine tolle Idee zum Abschluss. Das Deutschland am Ende das Turnier gewann, war für mich unwichtig.Tack så mycket SverigeAuch Christian und Dani haben wir gedankt. Mit Knäckebrot, Fotos und einer Anleitung wie man schöne Krawatten bindet. Bei einem herrlichen Abendessen auf Kosten der Uefa haben wir uns voneinander verabschiedet.
Als die U21 zu Ende ging wurde wir alle und auch Dani plötzlich ganz still. Wir hatten eine tolle Zeit miteinander, die mich sehr durch die tollen Menschen geprägt wurde, die ich hier traf. Vielleicht habe ich durch diese 8 Tage einen Stups erhalten, der mich für meinen weiteren Lebensweg bestimmen könnte. Ich halte euch auf dem Laufenden.
Zum Ausklang noch ein paar Fotos:

wer will schon in der Skybox sitzen ...
wenn man direkt am Spielfeldrand stehtWhat's up?
... und wer schaut auf das Spiel wenn der Himmel so fantastisch aussieht
unser Arbeitsalltag... oder auch so
wo bleibt der Physiotherapeut?
wer bringt die Seife?
und wer die Fußballschuhe?

die geheime vergessene spanische TaktikMusik in der Kabine - und die spanische Musik war mit Abstand die Beste

wer hat den Bulldozer auf dem Spielfeld geparkt?das Gamla Ullevi (das neue alte Ullevi)Wer hat gesagt es ist zu windig für das Banner?VolunteersWeiß jemand was das hier ist?
Dani und die Sophia die Hospitality-Managerin die Platini fragte wer er sei (Michel Platini ist der Uefa-Präsident)