Mittwoch, 8. Juli 2009

Der (Mitt)sommer in Schweden und vieles Mehr

Das es neben Fußball auch noch andere Dinge gab will man kaum glauben. Insgesamt waren es auch nur 8 Arbeitstage, sodass drumherum jede Menge passiert ist. Es war ein bisschen die Zeit der Abschiede. Viele Menschen die ich hier kennengelernt habe, drehten Göteborg den Rücken. Darunter Anabel, Chrissi und zuletzt am Montag Meike. Auch Lisa ist nach Deutschland gefahren um aber in einem Monat wiederzukommen. - Juchu!!! Bei den anderen war es ein endgültiger Abschied, der mal schwer und mal weniger schwer ausfiel. Ich will Christian, Dani und Linn nicht vergessen, von denen mir der Abschied richtig schwer fiel.sogar der Himmel über Göteborg weinte ein bisschen
In einer Zeit des Abschiednehmens werde auch ich bereits wehmütig wenn ich daran denke nach Deutschland zurückzukehren, obwohl noch knapp zwei Monate vor mir liegen. Wo ist die Zeit geblieben?Die Einen gehen, Andere kommen. Judith ist das neue Au-Pair von Lisas Familie. Obwohl wir uns erst seit 3 Wochen kennen, bedeutet sie mir so viel. Schön das du hier bist (-;
Wer in den letzten Wochen einmal in den Kalender schaute, ist vielleicht über den Begriff der Sommersonnenwende. In den meisten Ländern Europas und der USA ist das der Tag an dem die Jahreszeit Sommer offiziell beginnt. Das die Sonne an diesem Tag am längsten scheint, wird in Deutschland oft vergessen. In Schweden ist "Mittsommer" eben so wichtig wie Weihnachten. In einem Land in dem es lange Dunkel ist, bekommt Helligkeit eine Größere Bedeutung. Mittsommer wird tatsächlich so gefeiert wie es beispielsweise in der IKEA-Werbung propagiert wird. Die Schweden verlassen die Städte und treffen sich mit Freunden und Familie auf dem Land um gut zu essen und zu trinken. Göteborg war am Mittsommerafton, dem Tag vor Mittsommer wie leer gefegt. An diesem Tag betrinken sich die Schweden hemmungslos.
Auch ich, habe den Tag auf traditionelle Weise begangen. Am Nachmittag sind wir vergnügt um die Mittsommerstange getanzt und für Lisa und Judith haben wir Blumenkränze geflochten. Für junge unverheiratete Mädchen ist der Mittsommerafton ein magischer Tag. Auf dem Weg nach Hause pflücken sie 7 verschiedene Wildblumen auf 7 verschiedenen Wiesen und springen über 7 Zäune. Wenn sie die Blumen unter ihr Kopfkissen legen werden sie von ihrem zukünftigen Mann träumen. Weil sie aber absolut still sein müssen und niemanden erzählen dürfen von wem sie geträumt haben, habe ich nicht erfahren, ob eine von mir geträumt hat! (-;
Tanz zum Mittsommer
Nach dem Tanz um den Baum, haben wir uns an gegrillten Würstchen und Fisch auf Knäckebrot gestärkt. Lustigerweise gesellten sich auch zwei Mädchen zu uns, die ich am Vormittag als Gäste im Hotel begrüßt hatte. (privater Umgang mit Gästen ist untersagt, Philipp (-; )
Anschließend haben wir uns bei mir etwas gestärkt um auf eine Party zu gehen. Und es schien wirklich nicht richtig dunkel zu werden. Der Himmel war die ganze Zeit blau. Die nicht enden wollenden Nächte nennt man die "Weißen Nächte". Das war wirklich ein toller Mittsommer mit einigen typisch schwedischen Elementen.
Der nächste Tag ist der eigentliche Mittsommertag und hat für mich den Vortag um einiges übertroffen. Steffen, Alex, Lisa, Judith und meine Wenigkeit hatten uns verabredet am Delsjön, einem See nicht weit weg vom Zentrums Göteborg, zu grillen. Wir sind vom Sonnenuntergang bis zum Sonnenaufgang geblieben weil es so schön war. Die Zeit ist wie im Flug vergangen. Lisa hat Gitarre gespielt und wir haben gesungen ...eine Flaschenpost verschicktNachtgebadet (das sind nicht wir)auf den See gestarrt Skat gespieltDas ist Schweden und warum ich immer noch so begeistert bin von diesem Land.
Und weil das Wetter so fantastisch ist, machen wir ganz viele Ausflüge. Mit Juliana und Judith habe ich den Ramberg bestiegen, der auf der falschen Seite von Göteborg steht, aber eine fantastische Aussicht bietet. auf dem Ramberg
Am Sonntag nach dem Gottesdienst hatten wir eine kleine Fika auf der Skansenkronan - in alter Sonntagstradition. (-;
Die schönste Aussicht bietet aber die Terrasse auf der 14. Etage des Hauses in dem ich wohne. -danke Juliane, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast.14. Etage morgens um 4
Und weil man sich auch mal abkühlen muss fuhren Judith und ich zum Delsjlön baden. Und am Samstag waren wir in der Ostsee baden. das war zu fantastisch

Ihr glaubt wohl ich arbeite gar nicht mehr, bin im Urlaub und habe aufgehört ins Hotel zu gehen! Tatsächlich hatte ich für die EM einige Tage freibekommen, aber zwischendurch musste ich ab und zu ran und seit letzter Woche stehe ich wieder regelmäßig am Tresen. Inzwischen hat die Arbeit ein neues Level für mich erreicht. Die Gäste sind nun hauptsächlich Touristen und unter ihnen viele Familien. Das hat die Arbeit in allen Abteilungen des Hotels verändert. Jennifer, eine Kollegin hat die Gäste als hysterisch bezeichnet. Meiner Meinung trifft es das auf den Punkt. Während Geschäftsleute routinierte Hotelgäste sind rennen Touristen pausenlos auf die Rezeption ein. Wir kommen überhaupt nicht mehr dazu unsere Routinearbeiten zu erledigen. Um 9 Uhr morgens wollen die ersten Gäste einchecken und bevor es ihnen um 15:00 Uhr!!! möglich ist, kommen sie dreimal zwischendurch an den Tresen, um zu fragen ob es nun fertig ist. Außerdem haben wir so viele Walk-Ins wie nie. Das sind Gäste die nicht gebucht haben und auf gut Glück ins Hotel kommen um nach einem Zimmer zu fragen. So haben wir gestern noch 17 Zimmer verkauft und waren somit wiedermal ausgebucht. Mir tut dieser Ansturm auf die Rezeption gut. Mir bleibt nicht viel Zeit zum Überlegen, muss viel reden und verstanden werden und greife nur selten auf die Hilfe von den Kollegen zurück, weil die selber beschäftigt sind. Ohne große Sprachhürden arbeite ich nun komplett selbstständig, was mir unglaublich viel Spaß macht, weil ich Verantwortung übernehme und eigene Entscheidungen treffe.
Für den Sommer bietet Scandic ein Kinderprogramm an um viele Familien in die Hotels zu locken. In den vorherigen Sommern hieß das immer, das jemand im einem Igelkostüm Kinder bespaßen muss. Das bleibt uns dieses Jahr erspart. Dafür pumpe ich jeden Tag Unmengen Luftballons auf. Und die Strategie funktioniert. Bei 199 Zimmern haben wir über 350 Frühstücksgäste, was bedeutet, dass in fast jedem Zimmer mindestens 2 Personen schlafen.
Weil es in den letzten Tagen so ungewöhnlich heiß war, haben sich oft Gäste beschwert, dass wir keine Klimaanlage in den Hotelzimmern haben. Ich habe immer erklärt, dass es schwachsinnig ist, eine Klimaanlage in Schweden zu haben (-;!!!
So haben wir Ventilatoren auf die Zimmer verteilt und weil die schnell aus waren, wurden kurzerhand 20 neue Ventilatoren eingekauft, die ich aufbauen durfte. (-;

Ich fühle mich hier gerade so wohl. Der Sommer in Schweden ist fantastisch und ich freue mich das ich ihn mit den tollsten Menschen zu teilen.